Ich habe heute
einen Menschen gerettet

(aus dem Englischen übersetzt von H. Schaefers am 14. November 2008)

 

Unsere Blicke trafen sich, als sie den Gang herunterkam und erwartungsvoll durch jedes Gitter spähte. Ich spürte sofort ihre Einsamkeit und wusste, ich muss ihr helfen. Ich wedelte mit dem Schwanz, nicht zu heftig, um sie nicht zu verschrecken.
Als sie vor meinem Gitter stehen blieb, stellte ich mich so, dass sie das kleine Malheur nicht sehen konnte, das mir hinten in meinem Zwinger passiert war. Sie sollte nicht wissen, dass heute noch niemand mit mir spazieren war. Manchmal sind die Leute vom Tierheim zu beschäftigt und ich wollte nicht, dass sie schlecht von ihnen denkt.

Als sie den Aushang an meinem Gitter las, hoffte ich nur, dass sie über meine Vergangenheit nicht traurig war. Ich habe nur die Zukunft, um mich darauf zu freuen, und ich möchte so gern den Sonnenschein in jemandes Leben bringen.
Sie ging in die Hocke und lockte mich mit leisen Kussgeräuschen. Ich drückte meine Flanke und meinen Kopf ganz fest ans Gitter, um sie zu trösten. Zarte Finger streichelten meinen Nacken. Sie wünschte sich so sehnlich einen Gefährten. Eine Träne lief über ihre Wange und ich hob die Pfote, um ihr zu sagen: alles wird gut.

Dann öffnete sich meine Zwingertür und ihr Lächeln war so warm, dass ich direkt in ihre Arme sprang. Ich würde versprechen, immer auf sie aufzupassen. Ich würde versprechen, immer an ihrer Seite zu sein. Ich würde versprechen, alles mir mögliche zu tun, um dieses strahlende Lächeln und das Glänzen in ihren Augen zu sehen.

Ich hatte so viel Glück, dass sie den Gang herunter zu meinem Zwinger kam. Da draussen gibt es so viele, die nicht die Gänge herunterkommen. So viele, die gerettet werden müssen.
Wenigstens konnte ich einen von ihnen retten.

Ich habe heute einen Menschen gerettet.

von Janine Allen