Briefwechsel zwischen Jungspund Leo und Omi Laura

Hier lesen Sie den Briefwechsel zwischen zwei ehemaligen Nothunden, - dem jungen Neufundländer-Rüden Leo und der alten Neufundländer-Dame Laura, in denen sie ihre Erfahrungen im und aus dem neuen Zuhause berichten und austauschen. Die Briefe sind von unten nach oben zu lesen (der aktuellste steht also immer am Anfang).

Dies ist Leos letzter Brief an "Omi Laura", welche am 21. Mai 2008 über die Regenbogenbrücke gehen mußte. Siehe auch


Mama hat gesagt, ich darf doch noch

„Liebe Omi Laura!"

sagen, denn die Omi Laura ist jetzt nicht weg, obwohl ich sie nicht mehr sehen kann. Und die Angie hat mal der Mama erzählt, daß wir alle, alle Wuffs (und vielleicht sogar alle Lebewesen, die noch Instinkt besitzen) aus einem gemeinsamen Gedächtnisfundus schöpfen …. oder sowas ähnliches.

Das ist jetzt viel zu schwer für mich, da müßt Ihr mit meiner Mama reden…..die weiß gerade sowas alles. Ihr ist schon so vieles passiert, wovon sie mir sagte: „Junge, das glaubst Du mir nicht!“ Aber ich weiß, daß ich ihr glauben kann, denn sie schwindelt mich niemals an. Genauso wie ich sie niemals anschwindele. Und so weiß ich jetzt eben, daß die Omi Laura im Himmel ist.

Liebe Omi-Laura-im-Himmel,

Du hast das auch nie gemacht, das mit dem Schwindeln! Das weiß ich! Und ich bin jetzt ganz sicher, daß, als Zeichen dafür, daß die Omi Laura im Himmel ist, am Himmel ein Stern ist, der ganz fröhlich hier zu uns runterzwinkert. Gell, Omi Laura???? Ich hab gerade zurück gezwinkert! Und wer sich nicht sicher ist, daß er den Unterschied von "im Himmel" und "am Himmel" kennt, der sollte meine Mama fragen! Die kann das nämlich auch alles erklären, bloß ich hab' halt einen Neufi-Kopf und kann das nicht so wiedergeben.

Weißt Du, Omi-Laura-im-Himmel,  ich hab' die ganze Zeit vorher ja schon erzählen wollen, daß ich Deinem Rat gefolgt bin. Du weißt schon, das mit dem Schwimmen! Aber das ging ein bißchen unfreiwillig. Ich weiß, daß Du das jetzt schon alles weißt, und daß ich das hier nicht mehr zu schreiben bräuchte. Aber ich will doch erzählen, weil ich das die ganze Zeit schon wollte!!!
AAAAlsooo: ich war im dichten Gras am Ufer des Baches und hab' nicht gemerkt, daß unter dem dichten Gras kein Boden mehr war. Mama sagt, sie hörte es nur platschen – ich kann Dir sagen, ich hab geplatscht, als ich nämlich ins Wasser gefallen bin. Du, Omi Laura, das war da ganz tief, und ich hab mich erschreckt. Meine Augen wurden ganz groß und meine Füße wollten nur noch weglaufen. Und – STELL DIR DAS VOR!!! – Nee, grins jetzt nich, Omi Laura, ich wußte doch nicht, daß schwimmen ganz genau so ist wie laufen! Hast Du mir doch auch nicht erzählt. Die Mama, die hat mir das dann gesagt, daß das bei uns Neufis so ist – im Gegensatz zu anderen Hunden, (ich will ja nicht rassistisch sein, aber ich bin jetzt noch mehr stolz darauf, ein Neufi zu sein – und Mama sagt, ich hab Recht! So!)

Aber weiter: ich fand das so toll, daß ich überhaupt nicht mehr aus dem Wasser raus wollte. Aber da kennst Du meinen Chef schlecht! Dem ist das Herz in die Hose gerutscht, als er mich so plötzlich im Wasser gesehen hat. Er ist die ganze Zeit am Ufer hin und her gelaufen und hat gequiemt und mich gerufen und gejammert, daß ich mir bloß nix tun sollte. Ja! So besorgt ist er sogar um mich gewesen, daß er hinter mir her ins Wasser gestiefelt ist, als ich dauernd rein und raus aus dem Bach rennen mußte. Ich konnte mich aber auch nicht beherrschen, so schön war das!

Und jetzt sag ich Dir auch noch, warum die anderen drei so aussehen: Mama und Papa haben sie geschoren!!!! Pfui, hab ich gesagt – pfui, sowas tut man doch nicht mit Neufis! Aber sie haben mir das auch wieder erklärt. Und wenn ich unser Mädchen so ansehe, ich hätte nicht gedacht, daß Mama da 600 Gramm Wolle runter geholt hat!!! (Psst: wieviel ist 600 g Wolle???? Ich hab' bloß eine große Tüte gesehen, die nach unserem Mädchen roch!!!)

Und ich wollte Dir nochwas sagen, Omi-Laura-im-Himmel. Ich wollte Dich nämlich bitten, ein Wettrennen mit allen unseren Freunden und Buben und Mädchen zu machen, die uns lieb hatten und die wir lieb hatten. Auch die Freunde von unseren Freunden. Du, Omi Laura, ich stell mir das gerade mal bildlich vor: Die ganze Sternenwiese rennt und wogt wie ein Teppich……(ich hör jetzt lieber auf, denn die Mama kann schon wieder aus den Augen Blumen gießen).

Ich hab Dich lieb, Omi Laura, schlaf schön und paß auf mich auf!

Dein Leo

PS: ... und irgendwann seh ich Dich doch!!!!


Brief von Leo an Laura vom 26.03.2008

Leo hatte am 23. März Geburtstag

Liebe Omi Laura,

den ganzen Tag gestern hat Mama mich nicht an den PC gelassen. Immer mußte sie selbst was schreiben, oder sie hat mich durch die Welt geschleift, - naja, die anderen mußten auch mit - sogar Papa. Und es hat geschneit, - ganz dicke Flocken und ganz viele! Aber das wollte ich jetzt nicht erzählen.

Ich wollte Dir doch erzählen, daß ich Geburtstag hatte! Ich bin jetzt 3 Jahre alt! Und ich hab beschlossen: Ich bin jetzt erwachsen - SO!  Obwohl mir das keiner glaubt. Das ist aber richtig schlimm für mich: Sogar die Schäferhund-Kira, dieses wuschige Geschöpf, glaubt, sie könne sich in meinen Weg legen. Der hab ich das aber gezeigt, Du! Die hab ich gejagt! Über das ganze Feld und die Wiese nebendran. Als ich dann fertig war, hab ich mich schnell mal im Graben abgekühlt - hat Mama wieder gebrüllt: "Raus da!!"
Nix darf ich!
Dabei bin ich doch jetzt ERWACHSEN! Als ich meine Geburtstagstorte bekommen hab, hat der Chef gebrummt: Bild'dir man nix ein, hat er gesagt. Du brauchst noch mindestens ein Jahr bis du fertig bist. Guck doch mal deine Heldenbrust an, bißchen schwach, wie? Sieh mal hier: meine Brust! Da ist was draus geworden, auch wenn mir die Knochen weh tun!

Weißt Du was, Omi Laura, ich hab nicht nur die obligatorische Geburtstagstorte bekommen, sondern auch noch etwas ganz Tolles: Einen Garten für mich ( und die anderen ). Da kann ich rennen und die anderen jagen, da kann ich buddeln und graben, Stöckchen klauen und Chef ärgern.
Puh -  ich sage Dir: Als ich so durch den Garten fetzte, als wir alle uns den angeguckt haben, hab ich mich so doll gefreut. Da sagt doch unser Mädchen: Glaub bloß nicht, daß das jetzt alles für Dich ist! Papa sagt, das ist für uns alle!
Du, Omi Laura, da ist sogar ein Brunnen, damit wir Trinken haben und eine Hütte und ein Sonnenschirm und ein Grill (ich hab schon gerochen, daß man da Gutes findet!!) Und Bäume und sonst bloß Gras und einen dichten Zaun drumrum mit Hecke und Sichtschutz und Schaukel, und dann sagt Mama, sie will auch noch eine Hängematte! Und sie will eine Badewanne für Babies. Na, für wen die wohl sein soll??? Siehst Du, wie ich grinse? Das ist sicher, damit ich mich auch mal abkühlen kann - naja, die andern auch.

Sagt doch der Chef zu mir, ich soll mich nicht so aufblasen, als wäre ich der Schönste ... Weißt Du, Omi Laura, unser Chef hat doch ganz schlimme Schmerzen beim Laufen. Dagegen bekommt er ja Medizin. Und jetzt bekommt er wieder ein "Doping", denn das hilft hoffentlich, schnellstmöglich Muskeln aufzubauen, die Chef ja gar nicht mehr hat. Papa hat gesagt, daß für die notwendige Bewegung ich sorgen werde. Das ist eine wichtige Aufgabe, sagt Papa. Und außerdem macht es mir riesig Spaß, den Chef zum Spielen zu animieren. Die anderen beiden sind ja schon zu alt, die sind ja schon so kurz vor und kurz nach 10. Aber mit meinem Chef spiele ich unheimlich gerne. Der kann das inzwischen genau so gut wie ich. Und der fängt sogar an, sich nach Stöckchen zu bücken. Inzwischen auch dann, wenn ich nicht damit angefangen habe. Und dann rangeln wir beide immer ein bißchen um das Stöckchen. Da gewinne ich dann immer, Omi Laura. Glaubst Du, der Chef ließe mich gewinnen, damit ich nicht sauer werde? Ich hab da einen Verdacht....
So, jetzt habe ich alles erzählt, was wichtig war. Ich hoffe, Dir geht es soweit gut? Du bist ja auch schon eine "ältere Dame", also sieh Dich bitte vor! Wem sollte ich denn dann schreiben können, wenn Du so einfach verschwindest?

Viele Grüße auch an Deine Fraulies
Dein Leo

PS: Denkst Du auch, daß ich noch Zeit habe, mich erwachsen zu fühlen? Meinst Du etwa auch, ich sollte noch spielen und toben solange ich kann?

Omi Lauras Antwort auf Leos Brief vom 03.03.2008

Guten Morgen Leo,

ja, Du solltest UNBEDINGT den Bach bei Tageslicht sehen und hinein gehen! Das macht unglaublich viel Spass, im Wasser zu plantschen.

Offensichtlich war der Bach tief genug, dass Du Schwimmen lernen kannst, d.h. Du fühlst den Boden unter den Pfoten nicht mehr (wobei Du aber keine Angst zu haben brauchst, wenn das passiert), und dann paddelst Du kräftig mit den Pfoten. Einfach paddeln, paddeln, paddeln. Du wirst sehen, dass Du Dich dann FORTBEWEGEN wirst im Wasser. (Ich nehme an, das ist das, was Dir passiert ist und Dich gerade etwas verwirrt.) Das nennt man "Schwimmen". Und es macht riesigen Spass!!!

Neufundländern liegt, so sagt man, das Schwimmen sozusagen im Blut (deswegen sind wir die weltbesten Rettungsschwimmer neben dem Menschen!). Wir haben auch sehr viel Kraft, heisst es, damit wir Dinge oder Menschen aus dem Wasser ziehen können.
Eigentlich kann fast jeder Hund schwimmen, sprich paddeln und sich somit über Wasser halten. Aber wir Neufundländer können es eben besser als die meisten von ihnen.

Ich selbst kann's ja nun nicht mehr, da mir die Kräfte dafür fehlen.
Ich habe das Schwimmen vorletzten Sommer auch erst mit einer Schwimmweste gelernt. (Das ist so ein Ding, das trägt Dich auf dem Wasser, damit Du nicht untergehst, wenn Du keine Kraft mehr hast. Ein ganz tolles Teil, das mir viel Sicherheit gegeben hat. Vor allem auch gut für Neufis, die nicht wissen, wann sie aufzuhören haben und nicht aus dem Wasser kommen wollen.. *lach*)
Da sind wir zu einem "See" gegangen. Ein See ist eine riiiieeeesige Pfütze, tiefer noch als ein Bach. Seen können so gross sein, dass Du das Land auf der anderen Seite nicht mehr sehen kannst. (Es gibt Wasser, das noch viel grösser als ein See ist, das nennt man Meer. Das schmeckt salzig, im Gegensatz zu Seen und Bächen.) Also, in diesem See bin ich also geschwommen. Ich habe mit 10 Jahren noch das Schwimmen gelernt, stell Dir das mal vor!!!

Schwimmen ist sehr gut für uns Neufundlaender, sagen meine Frauchen immer. Es baut unsere Muskulatur auf, d.h. gibt Kraft und ist daher gut für die Knochen und Gelenke. Bei mir jedoch ist es leider zu spät, sagt mein kleines Frauchen, weil ich schon zu alt bin, um noch grossartig Muskulatur aufbauen zu können. Deshalb, das kann ich Dir nur raten, nutze jede Gelegenheit zu Schwimmen, solange Du noch jung bist!!!

Dann wirst Du kräftig und stattlich! (Genau so wie ich junge Rüden mag. *zwinker*)

Das heisst aber auch, dass Du Deiner Mama und Deinem Papa gut gehorchen musst. Denn wenn Du keine Schwimmweste an hast, und Dir gehen irgendwann die Kräfte aus, müssten SIE Dich aus dem Wasser ziehen. Und mal ganz unter uns: Manche Menschen sind echt wasserscheu und dementsprechend nicht wirklich gute Wasserretter! Ich würd's jedenfalls nicht riskieren und besser hören, wenn sie Dich dann rufen. *zwinker*

Also, Leo, dann probier das mit dem Bach und dem Schwimmen ruhig mal aus. Und ich bin sicher, es wird Dir gefallen!!!

Einen schönen Tag wünsche ich Dir noch,

liebe Grüsse,

Omi Laura

Und hier siehst Du mich mal mit der Schwimmweste:


Brief von Leo an Laura vom 03.03.2008

Hallo Omi Laura,
die anderen schlafen nämlich schon lange, und ich denke noch nach und da will ich Dir schnell was sagen, was heute abend so komisch war:

Wir sind alle zusammen Gassi gegangen. Und ich hab nicht so genau hingeguckt, sondern nur die Pfütze gerochen und hineiiiiiiiin - und da war gar keine Pfütze! Du - da war gar kein Boden mehr, kein fester.
Und ich weiß nicht, was ich da gemacht hab. Aber Papa hat gesagt, ich sollte schnellstens da rauskommen, weil er mich nämlich nicht sehen konnte, weil es schon dunkel war draußen. Er nennt das "Bach", wo ich drin war.
Ich bin jetzt ganz durcheinander, weil ich nicht weiß, ob ich das mag oder nicht, das "Bach", wo ich drin war. Was meinst Du, soll ich da morgen nochmal reingehen, so bei Tageslicht, wo ich auch sehen kann, was ich mache? War nämlich heute das erste Mal, daß ich in "Bach" drin war, - und ist ja auch ganz aus Versehen passiert.

Ich mach jetzt schnell mal die Augen zu, um darüber nachzudenken, was ich da tun soll. Und ich glaube, ich probier das morgen nochmal - wenn Papa nicht guckt.

Gute Nacht und schlaf schön, Omi Laura,
Dein Leo


Brief von Leo an Laura vom 24.02.2008

 

Hallo Omi Laura,

meine Mama hat gesagt, ich soll Dir unbedingt mal schreiben. Weil ich mich nämlich so über Deine Antwort gefreut hab! Es ist ja nicht selbstverständlich, daß eine Omi auf die Gedanken eines Jungspund’s hört, schon gar nicht, wenn das so’n Pausenclown ist wie ich, – sagt Mama. Und daß ich meine Manieren herauskramen soll, wenn ich mit Dir „rede“, hat sie gesagt.
Dabei muß ich mich aber gar nicht anstrengen, weißt Du? Denn ich bin schon ein weit gereister und welterfahrener junger Mann – Jaaahaaa! Ich war nämlich schon mit meinem Rudel in Frankreich, – sogar in Paris! Und ich war auch schon in Mailand, nämlich! Siehst Du, wie meine Nase in die Luft ragt? Mama sagt, ich kann dolle stolz auf mich sein! Weil ich nämlich ein Knudelwuff war, als Mama und Papa mit uns anderen Vieren im Auto geschlafen haben! Wir hatten alle dicke Matratzen, dicke Zudecken und eine Heizung hatten wir auch, damit wir nicht frieren. Dabei war uns allen so warm, weil wir uns alle aneinander gekuschelt hatten. Du, Omi Laura, das war so schön, daß ich Papa geknutscht, Mamas und Chefs Öhrchen geputzt hab und dem Blindfisch am Füßchen gegnibbelt hab'.

Und soll ich nochwas erzählen? Papa hat mit mir das volle „Einkaufen-gehen-Programm“ durchgezogen. Ich war ganz aufgeregt. Ich durfte ganz alleine mit raus aus dem Auto. Die anderen mußten warten. Mama und Papa sind dann mit mir in ein Haus reingegangen, in dem viele andere Leute auch waren. Es gab ganz viel zu gucken und zu schnuffern. Aber ich durfte nicht! Hab ich auch ganz schnell verstanden und mich auch gut benommen. Auch an der Stelle, wo es so lecker nach Leckerli und Pansen roch, hab' ich mich nicht von Papas Seite gerührt. Weißt Du, Omi Laura, das war eigentlich gar nicht so schwer. Weil ich nämlich gemerkt hab, daß Mama und Papa mich streicheln und loben, wenn ich was gut mach, da mach ich das doch richtig gerne. Ich weiß genau, daß ich dann später auch noch Lecker bekomme. Aber Mama und Papa, wenn die sagen „wir sind stolz auf dich, mein Bub“, dann ist das das Größte!
Mein „Training“ hat gestern abend einen vorläufigen Gipfel erreicht: Stell Dir vor, Omi Laura: Wir sind alle mit Papas ganz doll großem Auto weggefahren. Dann sind Mama und Papa und wieder bloß ich ausgestiegen. Da waren auf einem Platz viele Leute mit ganz vielen anderen Hunden. Boooooh: Da war ein Mädchen, eine Berner Hündin, die hat noch so guuuuut geschnuffert, daß ich überlegt hab, warum mir das so gut gefällt. Hatte ich aber vergessen und war bloß fasziniert von ihr. Dann waren da noch 2 Terrier-Buben. Und dann ein Labrador und zwei Schäferhundmixe. Und dann noch einer, der aus einer komischen Familie kommen muß, in der sich alle Wuffs der Straße getroffen haben. Und wir sind dann alle zusammen los gegangen. Bloß Mama ist wieder ins Auto zu den anderen gegangen und ist mit denen weggefahren. Aber mich hat das gar nicht gestört, weil Papa ja bei mir war, und wir sind ganz lange spazieren gegangen. Ich durfte zwischendurch auch frei rennen mit den anderen. Und dann bin ich wieder brav an der Leine gegangen, weil es nämlich im Dunkeln  durch einen Wald ging. Dann wieder rennen und wieder zurück kommen. Hab ich alles gut gemacht, ich hatte gar keine Angst, weil die anderen auch keine Angst hatten. Und Papa war ja da!
Dann kamen wir endlich an einem anderen Platz an, wo ich schon von weitem Mama mit Papas großem Auto stehen sah. Und meine anderen drei waren auch da.

Jetzt paß auf, Omi Laura: Wir sind alle zusammen in ein Haus rein gegangen, in dem es sooo gut nach Essen gerochen hat. Papa hat gezählt: 68 Füße waren wir alle:  14 Zweibeiner und 10 Vierpfoter. Und da haben die 2-Füßer alle was gegessen und getrunken, und wir anderen haben alle ein Wasser zum Trinken bekommen. Und ich hab auch ein Häppchen von der Kruste von Papas Pizza bekommen, weil ich nämlich lieb bin! Ja, die anderen haben auch ein kleines Stück bekommen. Aber ich hab meins zuerst bekommen und die anderen erst hinterher – auch der Chef! (Bäätsch!)

Soll ich Dir was sagen, Omi Laura? Ich hab Mamas und Papas ganz großes Lob bekommen: Ich hab NICHT GEBELLT, NICHT getobt, NUR EINMAL KURZ gebettelt, NICHT gedrängelt, – bloß als wir dann alle raus gegangen sind, hab ich mich schnell nochmal zur Berner-Betti gedrückt, weil die doch so gut roch. Sag mal, Omi Lauara, kannst Du mir da vielleicht weiter helfen? Warum war die denn so kratzbürstig zu mir die ganze Zeit? Wo ich doch ein hübscher Bursche bin! Sie hat sich dauernd auf ihren Popo gesetzt und mich angeknurrt. Und ich weiß nicht warum! Ich wollte doch bloß mal schnuffern. Ich versteh die Welt nich mehr. Mama grinst bloß, wenn ich sie frage, und Papa sagt: „Bub, das verstehst Du sowieso nicht.“ Und der Chef sagt einfach ganz abwertend: „Vergiß es!“ und der Blindfisch sagt gar nichts dazu. Und unser Mädchen guckt bloß beleidigt, wenn ich sie was zu dem Thema frage. Ich brauch da wirklich mal’n Rat von jemand, der da was weiß. Und Du bist doch erstens ein Mädchen und dazu noch eine Omi mit viel Erfahrung.

Jedenfalls hab ich gestern einen Orden verdient, sagt Mama, weil ich allen gezeigt hab, daß ich nämlich ein Bub bin, der sich auch in Gesellschaft benehmen kann – Jawohl! „Sozialisiert“ hat Mama gesagt!
Daß ich bei dem Spaziergang die einzige vorhandene Pfütze gefunden hab und mich da reinlegen mußte, das soll ich mal lieber nicht erzählen, sagt Mama. Aber Dir kann ich es ja ruhig sagen, Du weißt ja, wie schwer das ist, da draußen zu bleiben, wenn man so einen Ruf zu verteidigen hat wie „Sausack“ und „Dreckspatz“.

Und als solcher sag ich Dir und Deinen Frauchen ein ganz liebes Wuff, paß auf Dich auf, Omi Laura, denn vielleicht hab ich wieder mal eine Frage an Dich. Weil wenn ich nämlich was nicht verstehe, dann kann ich Dich ja fragen.

Also, bleib bloß gesund, Du!

Dein Pausenclown Leo


Leo erhält Antwort von "Omi" Laura,
diktiert am 26. Januar 2008

Hallo Kleiner!

Hier ist Laura, von den Menschen auch „Omi“ genannt!

Eins meiner Frauchen hat mir Deinen Brief an sie vorgelesen, und während das andere Frauchen Abendessen macht, diktiere ich dem „kleinen Frauchen“ jetzt mal einen Brief an Dich.

Ich will Dir eins sagen, Kleiner, - lass den Kopf nicht hängen! Das mit den Pfützen werden Dein Papa und Deine Mama noch begreifen, irgendwann! Meine Frauchen machen auch immer erst entsetzte Laute, wenn ich durch die Pfützen latsche….aber dann lachen sie doch und geben mir auch Namen, wie „Schmuddelmonster“, „Walfisch“ oder „Ferkel“. Du, das meinen die gar nicht so ernst. Ehrlich nicht! Wenn Menschen Dir solche Namen geben, dann bedeutet das, dass sie Dich lieb haben. Das jedenfalls ist meine Erfahrung. Und da ich inzwischen fast 4 Mal so alt bin wie Du, kannst Du mir das ruhig glauben.

Und das mit dem Schimpfen, hey, das lernen die Menschen auch schon noch, dass das sein muss. Ich belle auch gerne, wenn z.B. John oder Bella Donna (das sind die Neufis, die mit mir zusammen leben) mir im Weg liegen. Aber ich glaube, die sind taub. Die bewegen sich erst, wenn ein Frauchen kommt, damit ich dran vorbei kann. Deshalb ist das Bellen ja auch so wichtig!
Oder ich belle, wenn einer der Katzen auf ihren Kissen vor dem Kamin liegen, und ich mit ihnen spielen möchte. Die stellen sich auch taub und rühren sich überhaupt nicht!
Auch draußen belle ich, wenn ich mit dem kleinen Frauchen spazieren gehe. Ich muss ihr und allen anderen in der Straße doch sagen, dass ich mich freue, oder?
Na ja, und manchmal belle ich auch, wenn mir Menschen oder Hunde entgegen kommen. Da freue ich mich eben auch. (Es gibt nur eine Boxer-Hündin hier im Dorf, die belle ich auch etwas heftiger an. Ich mag die einfach nicht…Keiner weiß warum, außer mir natürlich! Und wenn ich könnte, wie ich wollte, würde ich die durchs ganze Dorf jagen! Das kannst Du mir glauben, Kleiner!)

Hey, und wenn bei uns jemand mit Räucherwurst vorbei käme, würde ich auch bellen!!!

Übrigens, Kleiner, ein echt tolles Foto von Dir und Deinem Papa! Ich hoffe, er ist so richtig nass geworden! (Also, der Johnny kann das auch sehr gut, und seine Schwester Bella Donna auch. Ich habe das Abschlabbern erst im letzten Jahr kennen gelernt und mache das jetzt auch schon mal öfters. Nur halt nicht mehr so ungestüm. Die echt wilden Zeiten sind nun mal vorbei. :-))

So, Kleiner, das Essen ist fertig, und mein kleines Frauchen hat wohl Hunger. Ich selbst habe ja schon gefressen, - aber ich bekomme heute später am Abend noch mal was. Glaub mir, Leo, wenn Du mal in mein Alter kommst, dann werden die Menschen Dich so richtig nach Strich und Faden verwöhnen, weil Du es dann raus hast, wie man sie um den Finger….ach, was sag’ ich?....die ganze Hand wickelst!

Kopf hoch, Kleiner!

Deine Laura

 


Und so fing der Briefwechsel an:

Brief von Leo vom 26.01.2008

Hallo Ihr,

eigentlich sollte ich ja schon schlafen. Unser Mädchen und der Blindfisch sind schon längst in ihren Bettchen, und der Chef ist um Neun auch schon schlafen gegangen. Aber Mama und Papa sind noch wach und die Gelegenheit versuch ich immer zu erwischen, wenn die anderen nicht mehr ganz wach sind. Dafür bin ich ja auch noch ein Jungspund, sagt Mama.

Ich bin ruhiger geworden, sagt Mama auch. Und daß ich immer besser höre - naja, das sag halt ich.....Ich hab gelernt, daß ich nicht immer gleich aus dem Auto springen muß - Jaaaa! Papa hatte recht. OK - Mama hat auch Recht, wenn sie sagt, daß Pfütze nicht sein muß, - aber sie weiß halt nicht, wie lecker Pfütze ist. Ich versuch ja, davon weg zu bleiben. Aus dem Graben bleib ich schon fort, da schreit sie sonst los und das mag ich gar nicht.

Ich soll auch nicht Leute erschrecken, sagt Papa, denn ich geh doch immer mal gerne etwas schneller auf die zu, wenn wir gerade aus dem Haus kommen. Nein, Mama, ich schwindele nicht, ich renne gaaar nicht los, wenn da einer kommt. Bloß, wenn das der Mann vom Metzger ist, der riecht immer so gut! Und wenn der alte Mann die Wurst in der offenen Karre 300 Meter durch das Dorf zum Räuchern schiebt, dann darf ich nicht hinrennen. Das ist doch gemein! Findet Ihr nicht auch? So eine Gelegenheit darf doch ein richtiger Wuffelbär nicht auslassen!???
Ich muß! Dann schimpfe ich immer aus vollem Hals, bis der mit seiner offenen Karre außer Sicht ist.

Aber ich wollte was anderes erzählen: Wenn die anderen schlafen - wie gerade jetzt nämlich -, dann darf ich was tun, was ich sooooooooooooooo geniiiiiiiiiiiiiiiiieeeße! Guckt mal:
Ich darf auf der Couch mit Papa schmusen und ihn abschlappen! Und Mama hat das fotografiert! Habt Ihr was gemerkt? Sie hat nicht geschimpft, sondern gesagt, daß ich Papa ruhig waschen soll. Ja, und das hab' ich halt gemacht.

Erstmal Schluss für heute - jetzt ist "Gute Nacht"!

(26. Januar 2008)